Siegfried Wagner zum 150. Geburtstag

Franz Schreker, Scherzo für Streichorchester a-moll

Siegfried Wagner: Vorspiel zu Sonnenflammen, op. 8,
Konzert für Violine mit Begleitung des Orchesters
Symphonie in C
Solist: Peter Zazofsky
Dirigent: David Robert Coleman

 

 

Siegfried Wagner ist eine widersprüchliche, schwer greifbare Figur: Als Sohn von Richard Wagner und Enkel von Franz Liszt blieb er stets hinter den hohen Erwartungen, an denen er als Erbe, „Thronfolger“ und Hüter des Wagnerischen Schaffes gemessen wurde, zurück. Im Bewusstsein, aus dem übergroßen Schattens des Vaters wohl kaum heraustreten zu können, entschied er sich dennoch gegen ein Architekturstudium und begann, bei Engelbert Humperdinck Komposition zu studieren. Tatsächlich hatte sein Opus 1, die Oper „Der Bärenhäuter“ (1898), zunächst großen Erfolg, an den er aber mit keinem weiteren Werk seines umfangreichen Schaffens mehr anknüpfen konnte. Zum Zeitpunkt seines Todes waren eine Reihe von Kompositionen noch nicht zur Uraufführung gelangt. 1906 übernahm Siegfried Wagner die Leitung der Festspiele in Bayreuth, und schaffte es, das Familienunternehmen trotz des Auslaufens des damals 30jährigen Urheberrechtsschutzes 1913 und der dadurch ausbleibenden Tantiemen erfolgreich durch die das Familien- und Festspielvermögen vernichtenden Zeit des Ersten Weltkriegs und der Wirtschaftskrisen zu bringen.

Umstritten ist Siegfried Wagner heute vor allem durch seine widersprüchliche Stellung zum Nationalsozialismus. Die von ihm geleiteten Festspiele standen in Opposition zur Weimarer Republik; seine Unterstützung für Adolf Hitler, den er als „herrlichen Mann“ bezeichnete, ist verbrieft. Andererseits engagierte er jüdische Künstler, verwehrte sich 1924 vehement gegen die Forderung, jüdischen Besuchern den Zugang zu den Festspielen zu verwehren und verpflichtete mit Arturo Toscanini den ersten ausländischen Dirigenten.

Siegfried Wagners Tod, 1930, macht Überlegungen, wie er sich angesichts der dramatischen Zuspitzung der nationalsozialistischen Pogrome und des Genozids bis 1945 verhalten hätte, zu Spekulationen. Die biografischen Fakten, die vorliegen, zeichnen ihn als weiche, wenig charismatische Persönlichkeit, die in der Rolle des Widerstandskämpfers kaum vorstellbar ist. Ihn deshalb zum glühenden Nationalsozialisten zu machen, der auch die späteren Gräueltaten gutgeheißen oder – wie beispielsweise Richard Strauss – zumindest hingenommen hätte, ist ebenfalls problematisch.

Beeinflusst wird Siegfried Wagners Bild heute sicherlich durch seine Frau, Winifred, der glühenden, aktiven und bis zu ihrem Tod unbelehrbaren Hitler-Verehrerin, die ihren Mann um ein halbes Jahrhundert überlebte und zeitlebens versuchte, jegliche öffentliche Auseinandersetzung mit seinem Schaffen und Wesen zu verhindern, indem sie über viele Jahre hinweg die Aufführung seiner Kompositionen untersagte und erwirkte, dass der Großteil seines privaten Nachlasses bis heute von den Nachfahren unter Verschluss gehalten werden.

So bleibt die Debatte um Siegfried Wagner, seine Musik und seine Person, eine offene und spannende. Die Berliner Symphoniker werden sich in ihrem Konzert am 2. Juni 2019 dem Menschen und Komponisten Siegfried Wagner nähern, um den Diskurs über diesen Künstler und sein Schaffen weiter anzutreiben.


Änderungen vorbehalten



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Datum: 02.06.2019
Zeit: 16:00 - 17:30 Uhr


Veranstaltungsort


Berliner Philharmonie
Herbert von Karajan Str. 1
10785 Berlin
Deutschland




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