Perspektivwechsel

die literarische Konzertreihe der Berliner Symphoniker


Die Konzertreihe „Perspektivwechsel – das Literaturkonzert“ beinhaltet 6 Konzerte, in deren Mittelpunkt jeweils ein literarischer Text stehen wird. Die Intendantin der Berliner Symphoniker, Sabine Völker, hat sich für diese Reihe Katja Lebelt, künstlerische Leiterin des internationalen Künstlernetzwerkes teatreBLAU, an die Seite geholt. Dirigiert werden alle Konzerte von Hansjörg Schellenberger. Die Lesungen übernehmen hochkarätige Schauspieler: Cornelia Heise und Jannek Petri, Daniel Brühl, Birgit Schade, Mehmet Yilmaz, Ulrich Tukur und Matthias Brenner. Gelesen wird in deutscher, englischer, spanischer und türkischer Sprache. Die Reihe umfasst Texte, die sich mit neuen Perspektiven auf berühmte Städte und deren Kulturen beschäftigen, aber auch gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen.

Gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern des Orchesters entstehen neue Aufführungsformate an besonderen Orten wie beispielsweise dem Silent Green, der Villa Elisabeth oder der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

6.09. 2020, 15 Uhr UFA-Fabrik

„Die Geschichte des Wassers“ von Maja Lunde.
Es lesen Cornelia Heye und Jannek Petri, Sommergarten der UFA Fabrik.

Im Roman von Maja Lunde verzahnen sich zwei Geschichten – die der 70 jährigen Umweltaktivistin Signe, die den Bewohnerinnen und Bewohnern ihres Dorfes 2020 begreiflich machen möchte, dass sie den Raubbau an der Natur jetzt noch stoppen können; dafür unternimmt Signe eine riskante Fahrt. Dem gegenüber stehen die Beschreibungen aus Frankreich im Jahr 2041. das Trinkwasser ist knapp, in Südeuropa herrscht eine große Dürre. Einfühlsam beschreibt die Autorin in ihrem spannenden Roman die bedrohende Situation, in die sich die Menschheit bringen könnten, wenn sie heute nicht zu handeln beginnt.

20.09.2020, 15 Uhr Villa Elisabeth

„Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón, es liest in spanischer und deutscher Sprache Daniel Brühl

Barcelona zur Franco Zeit. Der Junge Daniel Sempere wird durch seinen Vater zum „Friedhof der vergessenen Bücher“ geführt und eine Recherchereise in die Vergangenheit beginnt. Geschickt verzahnt der Autor wunderschöne Beschreibungen der Stadt Barcelona und die spannende Suche nach einem vergessenen Autor – dem gegenüber steht die Atmosphäre der Angst durch die Schergen der Franco Diktatur. Die Perspektive aus dem Jahr 1945 auf diese heute von vielen Menschen bereiste Stadt, lässt viele Orte in einem ganz neuen Licht erscheinen. Der Roman des kürzlich verstorbenen Autors wurde in 36 Sprachen übersetzt und ist der erste seine vier großen Barcelona Romane.

11.10.2020, 15 Uhr Gedächtniskirche

„The Damaskus Journals“ von Roua Horanieh, es lesen Roua Horanieh (englisch) und Birge Schade (deutsch)

 

Die junge Autorin Roua Horanieh ist in Damaskus aufgewachsen und ist heute, nach einem kurzen Aufenthalt in Beirut, in London ansässig. Der Text haucht ihren Erinnerungen an die geliebte Heimatstadt Leben ein, erzählt von den Geräuschen, Gerüchen von Aprikosenmarmelade und dem unbeschreiblichen Indigoblau des Himmels. Mit einem Augenzwinkern porträtiert sie einige Bewohner und erweckt das Bedürfnis, mehr zu hören von dort, wo im Moment vor allem das Elend und der Krieg seine Schlagzeilen schreiben. Was wissen wir eigentlich vom Alltagsleben aus Damaskus? „The Damaskus Journals“ gibt uns darüber einen Einblick aus einer sehr persönlichen Perspektive. Der Text wird im Original und in der deutschen Übersetzung gelesen.

15.11.2020, 15 Uhr Schloss Britz

„Istanbul“ von Orhan Pamuk, es liest in deutscher und türkischer Sprache Mehmet Yilmaz

Istanbul, über Generationen der Melting Pot der Kulturen. Anhand seiner eigenen Familiengeschichte beschreibt Orhan Pamuk die Historie der sagenhaften Stadt. Oft kommen einem die Beschreibungen merkwürdig nah vor und man fragt sich, ob man sich gerade wirklich in Istanbul befindet. Der Autor erzählt über den Untergang einer einst kosmopolitischen Stadt. Ausführlich beschäftigt er sich damit, das Gefühl der „Melancholie /hüzün“ zu beschreiben. Er benennt dies als das “Große Gefühl”, mit dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt „infiziert“ hätten. Pamuk hat lange in New York gelebt und betrachtet Istanbul von Innen und von außen.

6.12.2020, 15 Uhr Silent Green

„Die Seerose im Speisesaal“ von Ulrich Tukur, es liest Ulrich Tukur

 

Das erste Buch des Autors und Schauspielers Ulrich Tukur ist eine wunderschöne Liebeserklärung an die Stadt Venedig. Hier hat er lange mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, gelebt und so verbinden sich hier sehr persönliche Erlebnisse und liebevolle Beschreibungen von Menschen aus dieser Stadt, die man auf einmal mit anderen Augen sieht. Man möchte diese Zartheit und Eigenartigkeit schützen, die Tukur beschreibt und sie stehen im krassen Gegensatz zum Alptraum des Massentourismus, der diese Stadt zerstört. Das Buch ist ein Appell an die Poesie und an die Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart. Ulrich Tukur, wohl einer der charismatischsten Schauspieler unserer Zeit, wird seinen eignen Text lesen. Bilder von Katharina John aus Venedig werden während der Aufführung zu sehen sein.

13.12.2020, 15 Uhr Bärensaal

„London- Geschichten einer Stadt“ diverse Autoren unter anderem John Lancaster, Ben Judas, gelesen von Matthias Brenner

 

London als Stadt der Gegensätze ist das Thema dieses Konzertes. Kosmopolitisches Leben auf höchstem Niveau, Top-Restaurants und „Fancy Hotels“, Mieten, die so hoch sind, dass immer mehr „normale“ Menschen sie sich nicht mehr leisten können, die Perspektive der „Unsichtbaren“, die im Schatten des Neonlichtes auf der Straße und in Unterführungen übernachten und sich erhoffen, von den Reichen ein paar Cents zugeworfen zu bekommen – das alles ist London. Im Buch „Kapital“ von John Lancaster werden Lebensgeschichten zu Zeiten der Finanzkrise verwebt – hier steht die Biografie des Investmentbankers der des Pakistanischen Kioskbesitzers gegenüber. Ben Judas erzählt die Lebensgeschichte eines Geigers, der eigentlich nicht Geige spielen kann, aber dessen einzige Hoffnung es ist, mit dem Spielen ein wenig Geld in die Kasse zu bekommen.

Die Berliner Symphoniker werden gefördert von