Violine – Instrument des Jahres 2020

 

the violin – le violon – el violin – il violino – 小提琴 – скри́пка – כינור – skrzypce – الكَمَانٌ바이올린

 

 

 

 

2020 gibt es viele Konzerte und Projekte, in deren Mittelpunkt die Violine steht – bei den Berliner Symphonikern ist das am 24.5.2020 der Fall.

Am 24.5.2020, 16 Uhr spielen die Berliner Symphoniker mit dem Geiger Erez Ofer das Violinkonzert von Beethoven unter der Leitung von Eduardo Marturet.

Erez Ofer

Wie und wo ist die Geige überhaupt entstanden?

Nach einem Märchen der Roma war es folgendermaßen:

Es waren einmal ein armer Mann und eine arme Frau, die hatten lange Zeit keine Kinder. Da geschah es einmal, dass die Frau in den Wald ging und einem alten Weibe begegnete, das also zu ihr sprach: »Gehe nach Hause und zerschlage einen Kürbis, gieße Milch in denselben, und dann trinke sie. Du wirst dann einen Sohn gebären, der glücklich und reich werden wird! « Hierauf verschwand das alte Weib, die Frau aber ging nach Hause und tat, wie ihr geheißen war. Nach neun Monaten gebar sie einen schönen Knaben. Doch nicht lange Zeit hindurch sollte die Frau glücklich bleiben, denn sie wurde bald krank und starb. Ihr Mann starb auch, als der Knabe zwanzig Jahre alt wurde. Da dachte sich der Jüngling: Was soll ich hier machen? Ich gehe in die Welt und suche mein Glück! Der Jüngling ging also von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, fand aber nirgends sein Glück. Da kam er einmal in eine große Stadt, wo ein reicher König wohnte, der eine wunderschöne Tochter besaß. Ihr Vater wollte sie nur dem Manne zur Frau geben, der so etwas machen könne, was noch niemand auf der Welt gesehen hatte. Viele Männer hatten schon ihr Glück versucht, aber sie wurden alle vom König aufgehängt, denn sie konnten nichts machen, was man nicht schon zuvor gesehen hatte. Als der Jüngling dies hörte, ging er zum König und sprach: »Ich will deine Tochter zur Frau haben; sag, was soll ich denn machen?« Der König erzürnte und sprach: »Du fragst, was du machen sollst? Du weißt ja, daß nur der meine Tochter zur Frau erhält, der so etwas machen kann, was noch niemand auf der Welt gesehen hat! Weil du so dumm gefragt hast, sollst du im Kerker sterben!« Hierauf sperrten die Diener des Königs den Jüngling in einen dunklen Kerker. Kaum dass sie die Tür zugesperrt hatten, da wurde es hell und die Feenkönigin Matuya erschien, die den Armen in Bedrängnis hilfreich zur Seite steht. Sie sprach zum Jüngling: »Nicht sei traurig! Du sollst noch die Königstochter heiraten! Hier hast du eine kleine Kiste und ein Stäbchen! Reiß mir Haare von meinem Kopf und spanne sie über die Kiste und das Stäbchen! « Der Jüngling tat also, wie ihm die Matuya gesagt hatte. Als er fertig war, sprach sie: »Streich mit dem Stäbchen über die Haare der Kiste!« Der Jüngling tat es. Hierauf sprach die Matuya:. »Diese Kiste soll eine Geige werden und die Menschen froh oder traurig machen, je nachdem wie du es willst.« Hierauf nahm sie die Kiste und lachte hinein, dann begann sie zu weinen und ließ ihre Tränen in die Kiste fallen. Sie sprach nun zum Jüngling: »Streich nun über die Haare der Kiste!« Der Jüngling tat es, und da strömten aus der Kiste Lieder, die das Herz bald traurig, bald fröhlich stimmten. Als die Matuya verschwand, rief der Jüngling den Knechten zu und ließ sich zum König führen. Er sprach zu ihm: »Nun also höre und sieh, was ich gemacht habe!« Hierauf begann er zu spielen, und der König war außer sich vor Freude. Er gab dem Jüngling seine schöne Tochter zur Frau, und nun lebten sie alle in Glück und Freude. So kam die Geige auf die Welt.”

Andere Quellen besagen jedoch, dass in Europa erst seit dem Mittelalter gestrichene Instrumente bekannt waren, wie z.B. die Fiedel der Minnesänger. Mit einer Geige hatte sie noch nicht viel Ähnlichkeit. Erst im 15. Jahrhundert entwickelte sich daraus langsam die Gamben- und Violenfamilie. Die Geige in ihrer heutigen Form entstand Anfang des 16. Jahrhunderts in Italien. In Cremona lebte von 1505 – 1577 Andrea Amati, der zum Begründer der welweit berühmten Geigenbauschule und Geigenbauerdynastie wurde. Heute existieren noch etwa 13 Violinen von Andrea Amati.

Ex “Kurtz” Amati 1560

 

Zu den bekanntesten Geigenbauerdynastien zählen auch die Familien Stradivari und Guaneri, von ihnen stammen auch folgende berühmte und wertvolle Violinen:

Die Molitor Stradivari

Die »Molitor« Stradivari aus dem Jahre 1697 erzielte den stolzen Preis von 2,7 Millionen Euro. Diese Geige wurde 2010 bei einer Auktion von der amerikanischen Violinistin Anne Akiko Meyers ersteigert. Die Molitor trägt die Inschrift »Antonius Stradivarius Cremonensis / Faciebat Anno 1697« und ist in der sogenannten »Goldenen Periode« des italienischen Geigenbaumeisters Antonio Stradivari entstanden. Ein Besitzer dieser wunderschönen Geige war Bonaparte. Den Namen hat die Molitor aber von einem General aus Bonapartes Armee: Graf Gabriel-Jean-Joseph Molitor, in dessen Familienbesitz sie sich bis zum Ersten Weltkrieg befand.

Die ex-Ries Stradivari

Die »ex-Ries« Stradivari Violine stammt aus dem Jahre 1693. Sie ist im Besitz der Reinhold Würth Musikstiftung und seit 2008 verliehen an den ungarischen Geiger Jozsef Lendvay. Das Instrument hat einen stolzen Wert von ca. 3,5 Millionen.

Die Dolphin Stradivari

Die »Dolphin« Stradivari aus dem Jahre 1714 befindet sich im Besitz der Nippon Music Foundation. Momentan wird sie von der Geigerin Akiko Suwanei gespielt. Den Namen »Dolphin« bekam sie im 19. Jahrhundert von George Hart, weil ihn der Rücken dieser Geige, mit seiner Form und seiner schimmernden Farbe, an einen Delphin erinnerte. Der Wert der Geige wird auf 4 Millionen Euro geschätzt.

Die ex-Szigeti Stradivari

Die »ex-Szigeti« Stradivari Violine ist auch bekannt unter den Namen »Ludwig« und stammt aus dem Jahre 1724. Sie trägt die Inschrift: »Antonius Stradivarius Cremonensis faciebat Anno 1724«. Seit 1989 ist sie in Besitz der L-Bank Baden Württemberg und wird an MusikerInnen verliehen. Preis: etwa 4,3 Millionen Euro.

Die La Pucelle Stradivari

Die »La Pucelle« Stradivari wurde 1709 gebaut. Sie wird auch »Virgin«, also die Jungfrau genannt. Den Namen erhielt sie von Vuillaume, der den Ton als rein und jungfräulich beschrieb (franz. »comme une pucelle«).

Die Lord Wilton Guarneri del Gesù

Ebenfalls rund 4,3 Millionen Euro wert ist die »Lord Wilton« Guarneri del Gesù aus dem Jahre 1742. Gespielt wurde sie vom großen Violinisten Yehudi Menuhin. Auch die »King Joseph« Guarneri del Gesù aus 1737 gehört in diese Kategorie. Diese Violine wurde unter anderem vom Virtuosen Itzhak Perlman gespielt.

Die ex-Carrodus Guarneri del Gesù

Die Österreichische Nationalbank besitzt ebenfalls einige der teuersten und wertvollsten Geigen der Welt. Eine davon ist die Violine von Giuseppe Guarneri del Gesù »ex-Carrodus«. Sie ist rund 5,1 Millionen Euro wert und stammt aus dem Jahr 1741 aus Cremona. Benannt wurde die »Carrodus« nach dem englischen Violinisten John Carrodus, in dessen Besitz sie lange Jahre war. Es wird vermutet, dass diese Violine auch einst dem großen Paganini gehört hat. 1953 war sie sogar in einen Autounfall verwickelt, bei welchem der Violinist Ossy Renardy gestorben ist. Die Geige blieb dabei unbeschädigt.

Die ex-Kochanski Guarneri del Gesù

Die »ex-Kochanski« Guaneri del Gesù, welche sich 50 Jahre lang im Besitz des Violinisten Aaron Rosand befand, wurde 2009 an einen unbekannten russischen Milliardär für rund 7,3 Millionen Euro verkauft. Diese Violine stammt aus dem Jahr 1741 und ist eine der am besten erhaltenen Violinen des Geigenbaumeisters Guarneri. Benannt wurde Sie ebenfalls nach ihrem langjährigen Besitzer, dem polnischen Virtuosen Paul Kochanski, doch nun wird sie auch als die »ex-Rosand« Guarneri bezeichnet. Eine andere wertvolle Violine von Guarneri ist die »Vieuxtemps«, welche 2012 für über 16 Millionen US Dollar verkauft wurde und damit die aktuell teuerste Violine der Welt ist.

Die Lady Blunt Stradivari

Mit dem Verkauf der »Vieuxtemps« verlor diese edle Violine ihren Spitzenplatz, denn sie erzielte bis dahin den besten Preis bei einer Auktion: die »Lady Blunt« Stradivari aus dem Jahr 1721. Dieses Meisterwerk erzielte den stolzen Preis von rund 11,6 Millionen Euro bei einer Wohltätigkeits-Auktion. Der Erlös ging an die Opfer des Erdbebens von Japan. Diese Geige hat ihren Namen von Lady Anne Blunt, der Enkelin von Lord Byron, in deren Besitz sie sich ganze 30 Jahre lang befand. Der momentane Besitzer ist nicht öffentlich bekannt.

Wichtige Fakten zur Violine:

wer die Violine spielt, verbrennt etwa 170 Kalorien pro Stunde. 

Die moderne Geige besteht aus über 70 Einzelstücken.

Die meisten Geigen bestehen aus Fichte und Ahorn, das Griffbrett aus Ebenholz.

Scroll Up
Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial